Thursday, January 10, 2008

Joerg Maynard... wer war Joerg Maynard



...eine weitere Kurzreportage aus Kingston in der Tradition der One-Reeler, kein Schnitt, keine Story, das vorgefundene als das gezeigte. Keine Zeit für Montage, Hintergrundmusik, Dramaturgie. Die See, aufgewühlt, ruppig, Wellen schlagen auf das betonierte Ufer ein, zerbrochene Platten, Wasteland, undefinierter Grenzbereich. Gischt spritzt ins Gesicht, eiskalt, rote Bäckchen. Der Trick ist, sich das Leben nicht vom Wetter diktieren zu lassen. Selbst rufen, "es ist kalt, meine Mauken frieren ab!" und in der Beschreibung Herr werden. Lange Unterwäsche, astronautenartige Vermummung, Moonboots, oder, wie man in Zuze sagt: "Monnbotts". Das Raue als Anlass Lyrik zu verfassen, den Kontrast herzustellen, besser, die Synthese zwischen sturmgepeitschter See und gefährdetem Leben im zerbrechlichem Wortgebilde zu schaffen, greifbar nahe, doch auch hier: keine Zeit, die Idee im Text real werden zu lassen. Diese Prosa, Fließtext, rinnender Sand im Eierglas des Lebens, hilfloser Versuch, das doch geschriebene, hier zu lesende, paradox werden zu lassen. Und für den, der noch mehr Lebenszeit zu investieren vermag, die schöne, wie ein Drehbuch wirkende und ganz in der Nähe von Kingston angesiedelte Ballade von Theodor Fontane über und in der Hauptrolle mit John Maynard.

John Maynard

John Maynard!
"Wer ist John Maynard?"
"John Maynard war unser Steuermann,
Aus hielt er, bis er das Ufer gewann,
Er hat uns gerettet, er trägt die Kron',
Er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.
John Maynard."

Die "Schwalbe" fliegt über den Erie-See,
Gischt schäumt um den Bug wie Flocken von Schnee;
Von Detroit fliegt sie nach Buffalo -
Die Herzen aber sind frei und froh,
Und die Passagiere mit Kindern und Fraun
Im Dämmerlicht schon das Ufer schaun,
Und plaudernd an John Maynard heran
Tritt alles: "Wie weit noch, Steuermann?"
Der schaut nach vorn und schaut in die Rund:
"Noch dreißig Minuten ... Halbe Stund."

Alle Herzen sind froh, alle Herzen sind frei -
Da klingt's aus dem Schiffsraum her wie Schrei,
"Feuer!" war es, was da klang,
Ein Qualm aus Kajüt und Luke drang,
Ein Qualm, dann Flammen lichterloh,
Und noch zwanzig Minuten bis Buffalo.

Und die Passagiere, bunt gemengt,
Am Bugspriet stehn sie zusammengedrängt,
Am Bugspriet vorn ist noch Luft und Licht,
Am Steuer aber lagert sich´s dicht,
Und ein Jammern wird laut: "Wo sind wir? wo?"
Und noch fünfzehn Minuten bis Buffalo. -

Der Zugwind wächst, doch die Qualmwolke steht,
Der Kapitän nach dem Steuer späht,
Er sieht nicht mehr seinen Steuermann,
Aber durchs Sprachrohr fragt er an:
"Noch da, John Maynard?"
"Ja,Herr. Ich bin."


"Auf den Strand! In die Brandung!"
"Ich halte drauf hin."
Und das Schiffsvolk jubelt: "Halt aus! Hallo!"
Und noch zehn Minuten bis Buffalo. - -

"Noch da, John Maynard?" Und Antwort schallt's
Mit ersterbender Stimme: "Ja, Herr, ich halt's!"
Und in die Brandung, was Klippe, was Stein,
Jagt er die "Schwalbe" mitten hinein.
Soll Rettung kommen, so kommt sie nur so.
Rettung: der Strand von Buffalo!

Das Schiff geborsten. Das Feuer verschwelt.
Gerettet alle. Nur einer fehlt!

Alle Glocken gehn; ihre Töne schwell'n
Himmelan aus Kirchen und Kapell'n,
Ein Klingen und Läuten, sonst schweigt die Stadt,
Ein Dienst nur, den sie heute hat:
Zehntausend folgen oder mehr,
Und kein Aug' im Zuge, das tränenleer.

Sie lassen den Sarg in Blumen hinab,
Mit Blumen schließen sie das Grab,
Und mit goldner Schrift in den Marmorstein
Schreibt die Stadt ihren Dankspruch ein:
"Hier ruht John Maynard! In Qualm und Brand
Hielt er das Steuer fest in der Hand,
Er hat uns gerettet, er trägt die Kron,
Er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.
John Maynard."

3 comments:

Anonymous said...

Halt aus joerg maynard! sonst holt dich der fisch

Anonymous said...

Who the fuck is Walze? Ich hab gedacht, die wär schon längst aus der Lindenstraße ausgezogen! Walze...Feuerwalze?

Walze, Walze, heißt Du wirklich so?
Egal,
ich nehme deinen Ratschlag an
und halts aus, ho!
und noch 5 Minuten bis Buffalo... .

Anonymous said...

15 Minuten bis Buffalo!