Tuesday, February 19, 2008

Bilitis und die Arnolfini Hochzeit

Der ein oder andere mag vielleicht wissen, dass ich grosser Fan von Musik aus Filmen wie "Profondo Rosso", "Erotic Nights of the Living Dead", "Bilitis" und anderem Quatsch bin. Die Musik ist mit einem Wort wie 'sleazy' gut getroffen- Gratwanderung zwischen Kitsch und Kunst.

Da treib ich mich also im Weltnetz rum auf der Suche nach diesem einen Track aus Bilitis und mache eine Entdeckung, die sich gar nicht auf den Soundtrack, aber auf den 'sleaze' bezieht.

Der ganze Bilitis-Film atmet diese Atmosphaere aus Weichzeichner, Maedchenliebe und Fahrrad fahren im Sommer, was ja eigentlich kitschig ohne Ende ist, aber immer wieder wartet er mit ein paar Verweisen auf aesthetische Traditionen der bildenden Kunst auf, die man leicht uebersieht. Hier ein Beispiel, es ist ab Sekunde 45 im Bild:




Das Motiv, das hier zitiert wird stammt aus dem Gemaelde "Die Arnolfini-Hochzeit" des flämischen Malers Jan van Eyck. Es entstand 1434 in Brügge.

Die Darstellung des Spiegels erfuellt in der Kunstgeschichte eine ganz bestimmte Funktion. In seiner "Hochzeit des Giovanni Arnolfini" (1434) treibt Jan van Eyck dies auf die Spitze. Mehr dazu hier). Das ganze Bild:

Wer sich ein bisschen mit der Thematik beschaeftigt wird auch auf Michels Foucaults "Las Meninas" Aufsatz stossen und auf David Teniers "Erzherzog Leopold Wilhelm in seiner Gemäldegalerie in Brüssel"

Im weiteren Verlauf vielleicht auf Marc-Antoine Mathieus "Die Zeichnung"

...und wer sich an den blog Beitrag zu Dario Argentos "Profondo Rosso" und die Selbstreflexion im Glanz der metallenen Kugel erinnert, wird moeglicherweise sich selbst wieder erkennen :-)

Achja, noch was zu dem Hündchen, das im Arnolfini Bild spitzbübisch den Betrachter anschaut. Gleich zwei davon sind im untenstehende Bild zu sehen. Es trägt den Titel "Portrait of Lina Bilitis With Two Pekinese" (Giovanni Boldini, 1913). Zufall?





Never ending story... und noch jemand, der sich der Arnolfinis bemächtigt hat und sie zur Illustration des ewigen Hin und Her zwischen Mann und Frau nutzt. Hier also 'gender studies' im deutschen Intro zu 'Desperate Housewifes'. Gut beobachtet von Jenny!


5 comments:

Anonymous said...

Das Video erschlägt einen ja fast mit Kunstgeschichte!

Joerg said...

Glück der Unwissenden...mit traumwandlerischer Sicherheit tänzeln sie in den gemütlichen Fernsehabend :-)

Joerg said...

...trotzdem bin ich neugierig...was gibts denn noch für Verweise auf die Kunstgeschichte?

Anonymous said...

wie wärs denn mit "american gothic" von Grant Wood und Adam und Eva ( Oder das Pradies?) von Lukas Cranach und etwas von Roy Lichtenstein.

Joerg said...

Hier noch eine interessante Interpretation in Zusammenhang mit Hildesheimers "Marbot":
http://www.dgpt.de/dokumente/pnl-21.pdf