1. Grundlagen
1.1 Raum
In einem dunklen und lautlosen Raum kann keine Vorstellung darüber entstehen, welche Abmessungen selbiger hat. Ist er jedoch hell und geräuscherfüllt kann sich das Gehirn aus diesen Informationen eine Vorstellung machen, in welcher Umgebung sich sein(e) Besitzer(in) befindet.
1.2 Zeit
Im Gegensatz dazu verfügt das Hirn nicht über eine Art Zeitsinn. Was Zeit ist, ist seit Urzeiten Gegenstand wissenschaftlicher und philosophischer Überlegungen. Bis heute ist es nicht gelungen, das Phänomen zu begründen. Das menschliche Empfinden, das Zeit vergehe, entspricht nicht den physikalischen 'Erkenntnissen'. Dort vergeht Zeit nicht, sie stellt irgend was anderes dar. Der witzige und eigenartige Mensch bastelt sich einen Begriff.
2. Hat also jeder Ort seine eigene Zeit?
Sandford Fleming hätte widersprochen: Der Begriff verschiedener Ortszeiten ist physikalisch gesehen nicht korrekt: Wenn jeder Meridian seine eigene Zeit besässe, wie viele Zeiten würden dann an den beiden Polen koexistieren, an denen die Meridiane ja bekanntlich zusammenlaufen? Es kann eigentlich für diese Welt nur «eine» Zeit geben, und um diese ‚kosmische Zeit’ rang Fleming Jahrzehnte.

2.1 Unsere Zeit: eine neumodische Errungenschaft
Fleming war kanadischer Eisenbahndirektor und er kannte daher die Sorgen seiner Schaffner gut. Diese hatten ein immer weiter wachsendes Eisenbahn-Streckennetz zu verwalten. Auch Fleming selbst ärgerte sich darüber, umfangreiche Fahrplantabellen studieren zu müssen, nur weil jeder Bahnhof seine eigene Zeit hatte! Es war nämlich durchaus möglich, dass auf einem Bahnhof zwei Züge nebeneinander standen, deren jeweils 'eigene' Zeit (die sie im Zug 'transportiert' hatten) nicht der Ortszeit des Bahnhofs entsprach!!
3. Und Jetzt:
Flemings Einsatz ist es zu verdanken, dass sich im Oktober des Jahres 1894 eine internationale Kommission ‚Zeit für die Zeit’ nahm. Diese fasste den folgenreichen Beschluss, eine allgemein verbindliche Weltzeit einzuführen: Als Nullmeridian wurde der Längengrad der englischen Sternwarte in Greenwich festgelegt, ferner einigte man sich auf 24, jeweils um eine Stunde voneinander entfernte Zeitzonen. Seither beginnt der Welttag um Mitternacht am Meridian von Greenwich. Alle anderen Zeiten der Welt sind durch Flemings Bemühungen in einem verlässlichen +- Verhältnis zur GMT angegeben. Geilomat.
4. Happy Birthday!
Wenn Frank am „Mi., 12.03.08, 20 Uhr, im ‚Starbowl’ (ihre Bowling-Anlage mit Herz in Heidelberg) im Landfried-Komplex, neben der Nachtschicht“ seinen Geburtstag feiert, kann ich ihm und den anwesenden Hausballrotierern aus der Ferne Kanadas um 2:00 Uhr nachts die Daumen drücken. Geilomat hoch Zwei (Uhr)!!Zur Einstimmung zum Kegeln (auch wenn es mal wieder bitter anzuschauen ist…)
ein Ausschnitt aus der Stromberg-Folge ‚Bowling’:
4 comments:
"Im Jahre 1957(...),wo mit der Ausarbeitung dieser Oper(Soldaten), die heute uneingeschränkt als die wichtigste seit dem "Wozzeck" gilt, die kompositorischen Prinzipien des zeitlichen wie stilistischen Pluralismus für Zimmermann bestimmend werden, schreibt er seinen Aufsatz "Intervall und Zeit". Die wohl mehr als zufällige zeitliche wie inhaltliche Nähe zu Stockhausens wichtigem Aufsatz "... wie die Zeit vergeht..." (1956) ist oft besprochen worden. Während Stockhausen die Aspekte von Zeit sehr ausführlich und analytisch pragmatisch beschreibt, spannt Zimmermann in seinem relativ kurzen Text ein Netz von philosophischen Bezügen. Anhand des Unterschiedes zwischen effektiver und erlebter Zeit in all ihren Gesichtspunkten, wie er sie in der Auffassung von Zeit und Zeitbewußtsein bei Plato, Aristoteles, Augustinus über Leibniz, Husserl bis hin zu Joyce, Ezra Pound und Heidegger bestätigt sieht, findet Zimmermann den Weg zu seinem zentralen schöpferischen Gedanken eines philosophisch verstandenen Pluralismus, der schließlich zum Begriff der Kugelgestalt der Zeit als Einheit von Vergangenem, Gegenwärtigem und Zukünftigem führt."
Und:
"Zimmermann war fasziniert von der Vorstellung einer "Kugelgestalt der Zeit", eine Formel, die die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen beschreibt."
Es lohnt naehere Betrachtung der Materie.
Dein Kernboy
Ja, die Beschaeftigung lohnt, obwohl sie sich im Unendlichen verliert. Vielleicht liegt gerade darin der Witz?
Ich kann mir vorstellen, dass ein Komponist Zeit und ihren Verlauf sehr direkt erlebt. Da seine Kunst, im Unterschied zum Gemaelde beispielsweise, ja Zeit beansprucht. Allein der grundlegende Weg vom "Puls, der den Urrhythmus startet, langsam kommt, dann in Ekstase ausartet" (Beatfried, Pow!Boys)ist ja ein solcher 'Prozess'.
P.S.: Aus irgendeinem Grund musste ich an Samson, die kaeseverreuckte Maus denken. http://www.youtube.com/watch?v=QUkonN7lalY
Oh, ein Gemaelde kann fuer mich allerdings ein viel klarere erkennbare Zeitlinie beinhalten als Teile der "Neuen Musik". Mein Ziel ist es gerade zur "Zeit", Musik zu schreiben, die eine horizontale klassische Zeitorganisation zumindest teilweise vergessen laesst. Spannend ist es, den Prozess des Komponierens als einen Zeitprozess zu erleben, waehrend der eigentlich Konsum der Musik zur zeitlosen Schwerelosigkeit wird.
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